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Finanzen 
Donnerstag, 06.02.2020

ETFs in der Kritik - Klumpenrisiken statt Diversifizierung

Klumpenrisiko

Der bei deutschen Finanzberatern wohlbekannte Diversifizierungspapst und Nobelpreisträger Harry Markowitz, der seine vielbeachtete Kapitalmarkttheorie u.a. darauf aufbaute, dass es an der Börse Akteure mit positiver und solche mit negativer Meinung gibt, könnte mit der Entwicklung bei den ETFs sicher nicht leben. Der ETF-Hype hat seine eigenen Regeln entwickelt.

So hat zum Beispiel "Welt.de" in einem beachtenswerten Beitrag vom 20. Januar bei breit diversifizierten globalen ETF-Fonds aufgrund der hohen Anteile von "Big-Tech", gemeint sind Google, Microsoft, Apple, Facebook und Amazon, bzw. in den jeweils zugrundeliegenden globalen Indices (z.B. dem MSCI World) ein erhebliches Klumpenrisiko ausgemacht. In gängigen globalen Indices ist danach Big-Tech mit 10 % und mehr vertreten. Diversifizierung, ein immer wieder angeführtes Positivmerkmal von Indexfonds, ist damit trotz oft mehrerer Tausend Einzeltitel nur sehr beschränkt gegeben.

Ähnliche Verhältnisse ergeben sich beim allerdings aus nur 30 Einzeltiteln bestehenden Deutschen Aktienindex und damit bei ETFs, die in den DAX investieren. Nimmt man nämlich den Anteil der "Auto-Big Three" Daimler, BWM und VW, ergibt sich ein DAX-Anteil i.H.v. rund 10 %. Nimmt man außerdem den gleichfalls im DAX gelisteten Autozulieferer Continental hinzu, sind es rund 12 %. Der Begriff Klumpenrisiko ist auch da nicht unangebracht.

Dass dies von den Managern der Publikumsfonds längst erkannt und in den von ihnen verwalteten Fonds umgesetzt wurde, kann jedermann in der Zusammensetzung breit investierender Fonds, bei denen deutsche Automobilwerte meist längst fehlen oder nur noch mit minimalen Anteilen vorkommen, nachvollziehen.

Kostenargument erfolgreich beim Anleger

Bis vor kurzer Zeit verkündeten Medien und große Teile des Finanzvertriebes den Anlegern immer wieder nur die Geschichte von den angeblichen Kostenvorteilen von ETFs im Vergleich zu Publikumsfonds. Das Kostenargument ist zwar vordergründig einleuchtend und beim Anleger auch erfolgreich, aber dennoch bei weitem nicht immer realistisch und führt oft zu falschen Anlageentscheidungen.

Die ETF-Landschaft ist zum Beispiel längst bis in den letzten Winkel möglicher Anlagespezialisierungen vorgedrungen. Dies ist ein Bereich, der endgültig nur noch mithilfe einer professionellen Vermögensverwaltung sinnvoll zu beherrschen ist, die viele Publikumsfonds zwar bieten, die ETFs aber nicht. Zudem, wer dem Spezialisierungstrend folgt, wird um häufige Umschichtungen nicht herumkommen. Mit jeder Umschichtung relativiert sich der Kostenvorteil zu einem vermögensverwaltenden Publikumsfonds immer mehr.

Themen wie zu den bei ETFs immer wieder auftretende Klumpenrisiken oder die u.a. durch ETFs ausgelösten systemischen Gefahren für die Märkte durch automatisierte Handelsaktivitäten, spielten bis in die allerjüngste Zeit bei deutschen Medien und Beratern keine Rolle, obwohl sie in den USA, dem Mutterland der ETFs, längst im (Fach-)Gespräch sind.

Was das penetrant genutzte Kostenargument auch zu einer Anlegerfalle werden lassen kann ist, dass häufig vermögensverwaltende Eingriffe einfach unterbleiben, weil Informationen und Marktkenntnis fehlen. Das kann gerade in Zeiten eines hohen Kursniveaus, schnell wechselnder Präferenzen sowie aufgrund der zunehmenden Unsicherheiten ins Auge gehen.

Die Medien bewegen sich endlich

In der letzten Zeit ändern einige wichtige Medien auch in Deutschland ihre Einstellung zu ETFs. Während bislang Beiträge zu Geldanlagethemen meist mit dem unvermeidlichen Zitat eines sog. Anlegerschützers endeten, der dringend und meist undifferenziert zu ETFs riet, scheinen sich nun endlich realistischere Einsichten breit zu machen.

Neben dem oben bereits erwähnten Beitrag aus "welt.de" zu den Klumpenrisiken, hat die "Süddeutsche Zeitung" unter dem 21. Januar eine umfangreiche Darstellung zu den ETF- Kosten ("Am besten ignorieren") veröffentlicht. Außerdem weist dasselbe Blatt unter dem 23. Januar auf die spezielle Gestaltung des Deutschen Aktienindex/DAX ("Der Schummel-Dax) und in einem Kommentar vom 24. Januar ("Der Problem-Dax") hin (Problematik Preisindex statt Kursindex). In dieser Veröffentlichung kommt der bekannte Wirtschaftsjournalist Harald Freiberger in seinem Kommentar u.a. zu dem Schluss: "Wer seine Altersvorsorge auf einem Dax-ETF aufbaut, und viele Bundesbürger tun das, ist schlecht beraten."

ETFs kommen sogar in einem Beitrag aus der Wochenzeitschrift "Die Zeit" (vom 09. Januar) vor, wo zwar die Investition in ETFs als "smart" (man könnte auch sagen "in") bezeichnet wird, aber deutlich relativierend darauf hingewiesen wird, dass derjenige, der sich nicht "smart" verhält nicht unbedingt "der Dumme" sein muss.

Die Vorteile von ETFs

ETFs können in größeren diversifizierten Wertpapiervermögen eine sinnvolle Rolle spielen, wenn Fachleute deren Einsatz steuern. Deshalb sind ETFs bei institutionellen Anlegern beliebt. Einige Anbieter haben sogar spezielle ETF-Emissionen für Institutionen aufgelegt. Wenn in einem institutionellen Wertpapiervermögen eine Wertentwicklung nahe einem Index gefordert ist, dann können Indexfonds natürlich helfen.

Ob ETFs zum Einsatz bei privaten Anlegern mit fehlender eigener Wertpapier-Fachkompetenz sinnvoll sind, sollte von jedem Anleger selbst entschieden werden. Dazu müsste er aber über Risiken und Chancen dieser Anlageform so informiert sein, dass er diese Entscheidung auch wirklich treffen kann. Die Medien sind offenbar nun gewillt, das häufig bestehende Informationsdefizit auszugleichen.

Fazit

Die oben dargestellten Klumpenrisiken machen aus den angeblich breit diversifizierten ETFs Spekulationspapiere, die zum Einsatz für langfristige sicherheitsorientierte Anlageziele, wie z.B die Altersvorsorge, nicht geeignet sind.

Dass ETFs spezifische, bei Publikumsfonds nicht auftretende Risiken aufweisen, müsste nun endlich auch den Anlegern bekanntgemacht werden. Das Kostenargument alleine macht den Unterschied bei Weitem nicht aus.

Dieser Beitrag wurde erstellt von Helmut Kapferer.

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